Tagatose

Tagatose – milde Süße mit besonderem Stoffwechselprofil

Tagatose ist ein natürlicher Einfachzucker (Monosaccharid) und strukturell mit Fructose verwandt. Nur ein kleiner Teil wird im Dünndarm aufgenommen, der überwiegende Anteil gelangt weiter in den Dickdarm. Dort wird Tagatose von bestimmten Darmbakterien als Nährstoff verwertet, was diese Zuckerart deutlich von vielen anderen unterscheidet.

Ist Tagatose natürlich?

Ja, Tagatose kommt in geringen Mengen in der Natur vor, zum Beispiel in Äpfeln, Orangen, Ananas sowie in erhitzter Milch oder fermentierten Milchprodukten wie Joghurt. Für die Verarbeitung wird sie meist aus Lactose gewonnen.

Wie wirkt sich Tagatose auf den Blutzuckerspiegel aus?

Tagatose wird nur zu etwa 20 % resorbiert und sehr langsam in den Blutkreislauf aufgenommen. Dadurch beeinflusst sie den Blutzuckerspiegel kaum*. Der glykämische Index liegt bei etwa 3 (zum Vergleich: Glucose = 100).

Ist Tagatose für Diabetiker geeignet?

Tagatose kann im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung von Diabetikern verwendet werden. Aufgrund der geringen Blutzuckerwirkung wird sie oft als Bestandteil von Produkten genutzt, die einen langsameren Zuckerstoffwechsel begünstigen. Allerdings trägt Tagatose durch die begrenzte Aufnahme nur wenig zur direkten Versorgung mit verwertbarer Glucose bei. Besonders bei insulinpflichtigen Personen kann es daher sinnvoll sein, sie mit anderen Zuckerarten wie Galactose, Trehalose oder Isomaltulose zu kombinieren.

Wie viele Kalorien enthält Tagatose?

Tagatose liefert nur rund 1,5 kcal pro Gramm, da der Großteil nicht resorbiert, sondern im Dickdarm fermentiert wird. Dennoch muss in der EU laut aktueller Verordnung ein Energiegehalt von 4 kcal pro Gramm angegeben werden – also 400 kcal pro 100 g – obwohl dies nicht die tatsächliche Verwertung im Körper widerspiegelt. In anderen Ländern wie den USA oder Südkorea darf bereits der niedrigere Wert deklariert werden.

Wie süß schmeckt Tagatose?

Die Süßkraft von Tagatose liegt bei etwa 92 % im Vergleich zu Haushaltszucker. Sie besitzt einen klaren, natürlichen Geschmack ohne störenden Nachgeschmack und eignet sich daher gut zum Süßen von Getränken, Desserts und Backwaren.

Schadet Tagatose den Zähnen?

Nein, Tagatose wird von kariesrelevanten Bakterien nicht verstoffwechselt und trägt daher nicht zur Säurebildung bei. Sie gilt als zahnfreundlich*.

Wie gut ist Tagatose verträglich?

In üblichen Verzehrmengen – etwa 1 bis 2 Teelöffel pro Mahlzeit – ist Tagatose gut bekömmlich. Da sie größtenteils unverdaut in den Dickdarm gelangt, kann sie bei empfindlichen Personen ab etwa 20 g pro Portion zu Blähungen oder weicherem Stuhl führen. Generell wird empfohlen, Tagatose in haushaltsüblichen Mengen zu genießen.

Ist Tagatose bei Lactoseintoleranz, Fructoseunverträglichkeit oder Zöliakie geeignet?

Tagatose ist frei von Laktose, Gluten und eignet sich auch für viele Menschen mit Fructoseunverträglichkeit. Obwohl sie strukturell mit Fructose verwandt ist, wird sie über einen anderen Weg im Darm aufgenommen. Daher berichten viele Betroffene von einer besseren Verträglichkeit. Bei ausgeprägter Fructosemalabsorption empfiehlt es sich dennoch, die individuelle Toleranz vorsichtig zu testen.

Wann darf ich Tagatose nicht verwenden?

Für die meisten Menschen ist Tagatose gut verträglich. Allerdings ist sie nicht geeignet für Personen mit hereditärer Fructoseintoleranz – einer seltenen Stoffwechselstörung, bei der bestimmte Enzyme fehlen, die für den Abbau von Fructose und ähnlichen Zuckerarten notwendig sind. Bei diesen Personen können sich Abbauzwischenprodukte im Körper ansammeln und gesundheitliche Probleme verursachen. Diese Erkrankung wird meist bereits im Säuglingsalter diagnostiziert. Wichtig ist: Die hereditäre Fructoseintoleranz ist nicht zu verwechseln mit der wesentlich häufigeren Fructosemalabsorption, bei der lediglich die Aufnahme im Darm beeinträchtigt ist.

Fazit

Tagatose ist ein natürlicher Zucker mit milder Süßkraft, geringer Kalorienverwertung und kaum messbarem Einfluss auf den Blutzuckerspiegel*. Durch ihre zahnfreundlichen* Eigenschaften, die vielseitige Einsetzbarkeit und die spezielle Verwertung im Körper bietet Tagatose eine interessante Option für alle, die bewusste Alternativen zu herkömmlichem Zucker suchen.

Quellen

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  2. Imfeld, T. (1996): Telemetric evaluation of D-tagtose provided by MD Foods Ingredients Amba, Denmark, with regard to the product’s qualification as being safe for teeth“. Dental Institute, University of Zurich, Switzerland.
  3. Imfeld, T. (1998): Telemetric evaluation of D-tagtose provided by MD Foods Ingredients Amba, Denmark, with regard to the product’s qualification as being safe for teeth“. Study performed after different plaque-adaption periods. Dental Institute, University of Zurich, Switzerland.
  4. Bertelsen, H.; Andersen, H.; Tvede, M. (2001): Fermentation of D-Tagatose by Human Intestinal Bacteria and Dairy Lactic Acid Bacteria. Microb Ecol Health Dis 13 (2): 87–95.
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  6. Leonel, Alda J.; Alvarez-Leite, Jacqueline I. (2012): Butyrate: implications for intestinal function. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 15 (5): 474–479.
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  8. Bär, A. (1998): An evaluation of the caloric value of D-tagatose. Manuscript for MD Foods Ingredients amba.
  9. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt, dass der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker andere Zuckerarten wie Tagatose enthalten:

    * bewirken, dass der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr weniger stark ansteigt als beim Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln/Getränken, und zur Zahnmineralisierung beitragen.

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