Klassische Zucker: Woher kommt ihr zweifelhafter Ruf?
Zucker gehört seit jeher zu den wichtigsten Energiequellen des Menschen. Gleichzeitig stehen klassische Zuckerarten wie Glucose, Fructose, Saccharose und Lactose heute stark in der Kritik. Gründe sind ihr hoher Konsum, ihre weite Verbreitung in verarbeiteten Lebensmitteln sowie ihr Einfluss auf Zähne, Verdauung und Stoffwechsel.
Glucose (Traubenzucker)
Glucose ist der wichtigste Energielieferant des Körpers und in vielen Lebensmitteln enthalten – etwa in Form von Stärke in Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Auch Saccharose, Milchzucker und Malzzucker bestehen teilweise aus Glucose.
Kritisch gesehen wird Glucose, weil sie sehr schnell ins Blut aufgenommen wird und so zu starken Blutzuckerschwankungen führen kann. Außerdem dient sie kariesverursachenden Bakterien im Mund als ideale Nahrungsquelle. Da sie in ballaststoffarmen Produkten wie Weißbrot oder süßen Getränken in hohen Mengen vorkommt, trägt sie maßgeblich zum überhöhten Zuckerkonsum bei.
Fructose (Fruchtzucker)
Fructose kommt natürlicherweise in Obst, Gemüse und Honig vor. In der modernen Ernährung stammt der Großteil jedoch aus Saccharose oder aus industriell eingesetztem Glucose-Fructose-Sirup. Dadurch ist die Aufnahme deutlich höher als ursprünglich durch die Natur vorgesehen.
Kritik erfährt Fructose vor allem, weil der Darm nur begrenzte Mengen auf einmal aufnehmen kann. Überschüssige Fructose gelangt in den Dickdarm, wo sie Beschwerden wie Blähungen und Durchfall verursachen kann. Zudem wird Fructose fast ausschließlich in der Leber abgebaut. Bei dauerhaft hoher Aufnahme kann dies zu einer Belastung dieses Organs und zu erhöhten Fettwerten beitragen.
Saccharose (Haushaltszucker)
Saccharose besteht aus Glucose und Fructose und ist als Haushaltszucker weltweit verbreitet. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei über 30 kg – der größte Teil stammt dabei aus Fertigprodukten wie Süßwaren, Backwaren, Müslis oder Softdrinks.
Saccharose steht besonders in der Kritik, da sie gleich mehrere negative Aspekte vereint: Sie fördert Karies, sorgt für starke Blutzuckerschwankungen und liefert zugleich große Mengen Fructose, die den Stoffwechsel der Leber belasten können.
Lactose (Milchzucker)
Lactose ist ein natürlicher Zucker aus Milch, zusammengesetzt aus Glucose und Galactose. Viele Erwachsene weltweit können Lactose nur eingeschränkt verdauen, da das Enzym Lactase im Laufe des Lebens abnimmt. Bei einer Lactoseintoleranz gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm, wo er durch Bakterien vergoren wird. Dies führt zu Blähungen, Bauchschmerzen und anderen Verdauungsbeschwerden.
In der Kritik steht Lactose daher weniger wegen allgemeiner Stoffwechseleffekte, sondern vor allem wegen der hohen Zahl an Menschen, die ihn nicht vertragen.
Quellen
- Le, Kim-Anne; Bortolotti, Murielle (2008): Role of dietary carbohydrates and macronutrients in the patho-genesis of nonalcoholic fatty liver disease. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 11 (4): 477–482.
[Link zum Abstract] - Johnson, Richard J. et al. (2009): Hypothesis: could excessive fructose intake and uric acid cause type 2 diabetes? Endocr Rev 30 (1): 96–116.
[Link zum Abstract]